Steingruber


Johann David STEINGRUBER (1702 – 1787

Der Baumeister der Schwander Johanneskirche gilt als der Architekt der protestantischen Markgrafen von Ansbach.
Geboren wurde er am 25. oder 26. August 1702 in Wassertrüdingen am Hesselberg, getauft am 27. August 1702. Die Mutter starb am Kindbettfieber und wurde am Tag nach der Taufe beerdigt.
Sein Vater und sein Onkel arbeiteten im Sommer als Maurer, im Winter als Leinenweber. Sie waren österreichische Exulanten, Glaubensflüchtlinge, die nach dem 30-jährigen Krieg in der Markgrafschaft angesiedelt wurden. Die vom katholischen Kaiser ausgewiesenen Protestanten sollten das verödete markgräfliche Land nach dem 30-jährigen Krieg wieder aufbauen.

Beim Vater lernte Johann David das Maurerhandwerk und die Anfänge des Architekturzeichnens. Gefördert wurde er vom Oberamtmann Johann Wilhelm von Zocha, einem Bruder des Ansbacher „Obristenbaumeisters" Karl Wilhelm von Zocha.

Während seiner Wanderjahre heiratete der Geselle Steingruber. Seit 1728 war er in Ansbach tätig. Der tüchtige Nachwuchsarchitekt wurde mit immer weitergehenden und selbstständigeren Aufgaben betreut, bis er schließlich seit 1734 als „Landbauinspektor" für alle Arbeiten außerhalb der Residenzstadt Ansbach betraut war. 1750 wurde er zum Leiter der markgräflichen Baubehörde ernannt.
Sein Jahresgehalt betrug allerdings nur 500 Gulden, so kam Steingruber nie über den Rahmen eines bescheidenen bürgerlichen Daseins hinaus. Das erste eigene Haus, eine Art „Reihenhaus" in Ansbach, bezog er daher erst mit 61 Jahren.

Steingrubers erste Frau starb bald. Insgesamt hatte er von seinen beiden Ehefrauen acht Töchter und fünf Söhne. Von den 13 Kindern erreichten nur acht das Erwachsenenalter. Steingruber selbst wurde 85 Jahre alt. Er, der es vom Maurer bis zum Hofbauinspektor gebracht hatte, konnte im Fürstentum über einen Zeitraum von zwei Generationen hinweg für eine bauliche Kontinuität sorgen.

Steingruber hatte eine unglaubliche Fülle von Aufgaben zu bewältigen. Sein Amtsbereich war die gesamte Markgrafschaft und reichte von Crailsheim bis Thalmässing. Hinzu kamen noch die Ansbacher „Außenbesitzungen" im Westerwald.

Eine ganze Reihe von Kirchen nicht nur im heutigen Landkreis Roth verdankt ihm ihr Erscheinungsbild. Auch der Johanneskirche in Schwand gab er ihr heutiges Aussehen.

Weitere Gebäude im Landkreis sind die Kirchen von Eysölden, Alfershausen, Wallesau, Barthelmesaurach, Offenbau, Büchenbach, Petersgmünd, Kammerstein, Georgensgmünd, Reichersdorf und Roth. Hinzu kommen zahlreiche Pfarrhäuser (beispielsweise in Thalmässing), Schul- und Wohnhäuser sowie Brücken im Landkreis und in der Stadt Schwabach.

Ein Eindruck von der schier unglaublich langen Reihe seiner Werke gibt ein von ihm selbst erstellter „Leistungskatalog", in dem er für die Jahre zwischen 1733 und 1762 196 Bauwerke nennt, die er um- oder neu gebaut hat. Darunter sind „24 ganz neu erbaute Kirchen und Thurm, 16 Kirchen allein" (wo er also den bestehenden Turm – so wie in Schwand - übernommen hat) und „12 Kirchen repariert“.




Steingruber baute „Markgrafenkirchen" in einem dem Klassizismus zuneigenden Stil. Seine Kirchen sind - im Gegensatz zu katholischen Kirchen - betont nüchtern. Weiß und mattes Blau mit Grau herrschen vor; Gold gibt es nur ganz sparsam. Der weitgehende Verzicht auf Schmuck und Pracht ist theologisch begründet.
Das Hauptinteresse des protestantischen Got­tesdienstes, die Predigt, bestimmt die ganze Anlage. Emporen schaffen Raum für die Gemeinde, die Kanzel steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Steingruber hat den Typus der „Markgrafenkirche" nicht erfunden, seine Vorgänger haben diese schon verwirklicht. Doch er hat wie kein anderer zuvor so viele Kirchen dieses Typs erbaut.
Mit den benachbarten Pfarrhäusern kennzeichnen diese Kirchen noch heute die ehemals markgräflichen Städte und Kirchdörfer.



Literatur:

- Ausstellungskatalog: Johann David Steingruber, 1702-1787. Leben und Werk (Ansbach 1987).
- Karl Hirschmann, Johann David Steingruber. Ein markgräflicher Baumeister und seine Bauten in Roth. In: Damals bei uns in Roth, Nr. 4, S. 18-27

https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_David_Steingruber

Schwanstetten im Oktober 2017
Alfred J. Köhl
 
Der Architekt