Johanneskirche

Standort

Nürnberger Straße 19
90596 Schwanstetten
Deutschland
49° 17' 56.6664" N, 11° 7' 15.5496" E
DE

Ortsteil Schwand

Die Johanneskirche

eine unendliche Baugeschichte

 

Kirchenansicht von Norden

Seit Jahrhunderten schon prägt die trutzige Johanneskirche oberhalb des ehemaligen Ortskerns von Schwand das Gesicht der Gemeinde genauso wie die Pfarrer und Mesner die Bewohner (s. Schule). Wahrscheinlich im Jahr 1186 wurde von Bischof Otto in Schwand eine Filialkirche der Nachbarpfarrei Roth geweiht. Es war eine Holzkirche, die abgerissen wurde, als sie baufällig und zu klein geworden war. Um 1450 entstand eine spätgotische Wehrkirche aus Sandsteinen.Gemalt von Brigitte Geiß - Ansicht vom Marktplatz her Der Friedhof wurde mit einer Mauer umgeben. 1547 im Schmalkaldischen Krieg brannte die Kirche nieder, binnen eines Jahres hatten die Schwander unter großen Opfern sie aber wieder aufgebaut. Die Wirren des 30-jährigen Krieges überstand sie unbeschadet, auch wenn der Ort mehrmals Opfer schlimmer Brandschatzungen und Plünderungen geworden war. Ein weiterer Neubau der Kirche erfolgte 1753. Es gab drei Altäre mit Holzbildwerken aus Nürnberger Werkstätten, die wahrscheinlich beim damaligen Neubau als überflüssig verkauft wurden.

Pfarrer in Schwand war von 1505 bis 1518 Konrad Scheidt, zuvor Kaplan in Roth und Sohn des burggräflichen Wildmeisters Ulrich Scheidt in Schwand. Pfarrer Scheidt kann als Wegbereiter der Reformation in Schwand gelten. Im Jahre 1518 ist er verstorben. Sein Leben erzählt Pfarrer Georg Türk, der nach dem ersten Weltkrieg in Schwabach wirkte, in seinem Roman von 1928: „Johannes Baptista, der Heilige von Schwand.“

 

 

 

Johanneskirche InnenansichtDie spätgotische Wehrkirche war für die wachsende Pfarrgemeinde zu klein geworden. Markgraf Carl Wilhelm Friedrich (1729 -1757), als der "wilde Markgraf bekannt, beauftragte seinen Kirchenbaumeister Johann David Steingruber aus Wassertrüdingen mit dem Kirchenneubau (Bauzeit 1751 -1753). Die Ansicht von 1563 zeigt, dass der Kirchturm damals neben dem eigentlichen Kirchenraum stand. So war es nicht nur ein Umbau, sondern ein wirklicher Neubau, denn nur der Kirchturm blieb stehen. Das Kirchenschiff mit den engen Fenstern wurde abgebrochen. Ein nüchterner Neubau im Markgrafenstil entstand. Das Kirchengebäude wurde auf der Westseite des schlanken Kirchturms angebaut.Auch bei diesem Neubau mussten die Schwander selbst das nötige Geld für ihre Kirche selbst aufbringen. Finanziert wurde die Maßnahme durch Stiftungen von Simon Bremser und Pfarrer Zinn, durch Hauskollekten im Ort, durch Abholzung von 5,5 Morgen Wald mit einem Ertrag von 860 Gulden, Kollekten in den Dekanaten Schwabach und Langenzenn, durch Schuldenaufnahme in Leerstetten und schließlich durch Hand- und Spanndienste der Pfarrgemeinde.

 

 

Das Portal der Kirche im Süden ziert das Wappen des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich (1729 - 1757). Das Wappen zeugt von der bedeutenden Vergangenheit Schwands unter den Hohenzollern. Im Jahr 1842 wurde das Innere der Kirche vollständig renoviert, zehn Jahre später der obere, nur aus Fachwerk bestandene Teil des Turmes, worin sich die Glocken befinden, mit Quadersteinen neu aufgeführt. 1952, 1982 und 2003/2004 (Turm und Glocken) wurden weitere Renovierungen durchgeführt.
 

Die Renovierung 1981 - 1983





 

Markgrafenstil:Markgrafenstil : Altar - Kanzel - Orgel

 

Unter dem Einfluss des holländischen Barockstils (strenge, nüchterne Formen) wurde die Kirche von Johann David Steingruber 1751 - 1753 im "Markgrafenstil" gebaut. Dieser Stil zeichnet sich durch den sogenannten Kanzelaltar aus, d. h. Altar - Kanzel - Orgel sind als eine Einheit übereinander angeordnet. Dies spiegelt die damalige protestantische Predigt- und Abendmahlsfrömmigkeit wider. Die Kirche wurde zur Predigtstätte mit der Kanzel als Mittelpunkt für die Gläubigen. Der Altar, an dem die Gemeinde das Abendmahl empfängt, die Kanzel, von der sie das Wort Gottes hört, und die Orgel, die sie zum Lob Gottes ermuntert, liegen übereinander. Der Altarraum ist vom Kirchenschiff nicht mehr getrennt, entsprechend der reformatorischen Erkenntnis vom Priestertum aller Glaubenden, das die Trennung zwischen Klerus und Laien aufhebt. Das Langhaus ist ein Saalbau mit zwei umlaufenden Emporen, von Säulen getragen und von hellen Fenstern beleuchtet. Im Jahre 1764 führte man durch Verkauf der Kirchenstühle eine feste Sitzordnung ein. Der Gitterstuhl an der Nordseite gehörte der Pfarr- und Richterfamilie, der gegenüber auf der Südseite der Wildmeister- und Schulmeistersfamilie. Die durch Holzgitter abgetrennten Stühle existieren noch, sind aber nicht mehr für bestimmte Personen reserviert. Auf der ersten Empore an der Südseite in der ersten Reihe saßen die Honoratioren: der Richter und der Papiermüller von der Oberfichtenmühle.

 

 


Glasfenster

Die kunstvoll gestalteten Glasfenster prägen den Innenraum mit ihrem hellen Licht.

Fenster Martha Maria

erstellt von Christoph Schuler in Schwabach 1805 und restauriert im Atelier Kunst & Glas in Thalmässing 2002

 

Herz Jesu Fenster

 

Glasfenster

 

 

Taufstein:

Taufstein

 

Der Taufstein ist eine vierkantige Balusterschale mit einem Holzdeckel in barocker Form. Aus markgräflichem Blaugrün erheben sich als Reliefs vier braune Puttengesichter, eingerahmt von Engelsflügeln und Arkanthusblättern, denen am unteren Ende kleine Muscheln aufsitzen. Flügel, Blatt- und Muschelschmuck sind vergoldet. Der Innenrand des Deckels trägt die ockerbraune Inschrift: Christoph Schröder, Dürnhembach. Der Taufstein und auch sein Deckel waren angeblich aus Hembacher Stein gehauen. Wenn das zutraf, dann ist der wegen seines Gewichtes unhandliche Deckel wohl sehr bald durch den hölzernen ersetzt worden. Der ursprüngliche Anstrich täuscht nach damaligem verbreitetem Brauch Marmor vor. Aufgestellt wurde er wohl im Zuge des großen Kirchenumbaus 1754. Er folgte wohl einem älteren nach, der aber bereits 1733 nicht mehr vorhanden war. Er wurde gestiftet von dem brandenburgischen Bauern zu Dürrenhembach und Gerichtsschöffen zu Schwand, Christoph Schrötel und seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Wagner. Johann Neiner aus Meckenlohe steuerte 5 Gulden 7 Kreutzer und 2 Pfennige bei. Margarethe, die Frau von Christophs Bruder Conrad Schrötel, gab ein neues weißes Tuch aus Leinwand dazu.









Vortragskreuz

Vortragskreuz

 

Das jüngere Vortragskreuz stellt in einem weißen Kranz Christi Kreuzigung dar. Auf dem weißen Umband steht ein vergoldeter Strahlenrand. Das weiße Band trägt auf der Vorderseite die Inschrift: „Wer an mich glaubt, wird leben, ob er gleich stürbe 1854“ und auf der Rückseite „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Auf dem Schaft findet sich folgende Beschriftung: „Gestftet von Joh. Wolf. Schrödel, Gutsbesitzer in Dürrenhembach 1826; gestorben 26. Mai 1854 Marg. Kunig. Schrödel, geb. Freitag; gest. 26. Januar 1851". Der Stifter des Taufsteins, Christof Schrödel und der Stifter des Vortragskreuzes, Johann Wolfgang Schrödel waren Großonkel und Großneffe.

 

Ansicht von Norden

Schwanstetten im September 2007

Zusammengestellt von Alfred J. Köhl mit Unterlagen von Alfred Wenig und Werner Hartmann (Vortragskreuz und Taufstein)
800 Jahre Kirche in Schwand

Weitere Quellen und Literatur finden Sie hier
Die Johanneskirche in Schwand