Johannesfriedhof

Standort

Johannesfriedhof
Nuernberger Straße 19
90596 Schwand
Deutschland
49° 17' 55.9212" N, 11° 7' 15.1428" E
DE

Der Friedhof in Schwand





















Beim Betreten des Friedhofes bietet sich uns im Umherblicken ein eigenartiges Stimmungsbild. Wir begegnen dem Geist der Romantik, der sich in einigen hervortretenden und auffallenden Grabmonumenten in klassizistischem Kunststil und erst recht in Gedenktafeln mit rührenden, empfindsamen Inschriften verewigt hat. Eine trauernde Frauengestalt aus Stein in Lebensgröße, in griechischem Gewand an ein Grab aus Findlingen gelehnt, allerdings aus neuerer Zeit von 1912, bestärkt den Gesamteindruck.











 

In der Südmauer des Friedhofes sind zwei hochragende Gedenktafeln von auffallender Form eingelassen. Die hohe Dreiecksform ist oben abgestumpft. Auf den Tafeln aus Solnhofer Marmor lesen wir:









„Zu früh, ja viel zu früh für mich und meine 4 Kinder, aber gewiß reif und geschickt genug zur Ewigkeit starb unsere allerbeste zärtlich geliebteste treu und redlichste Gattin und Mutter Frau Magdalena Sibylla Volkert gebohrene Mayer auf der Oberfichtenmühle, schon in der Hälfte ihres 35-ten Jahrs d. 21. Aug. 1801, nachdem ich nicht ganz 5 Jahre das Glück und die Freude genoß, mit ihr in einer unbescholtenen Ehe zu leben. Gott belohne dir die Liebe und Treue, so du gegen mich auf eine ausgezeichnete Art ohne Geräusche ausübtest, in der Ewigkeit. Deine Tugenden aber und deine Rechtschaffenheit pflanze er auf Kind und Kinds-Kinder fort, welch letzteren zur Erinnerung und dir zum schuldigen Dank dieses Denkmal widmet dein dich noch in der Erde liebender Gatte Georg Friedrich Carl Volkert, Papierfabrikant auf der Oberen Fichtenmühl.“

 











Dem Andenken eines zärtlichen Gatten und sorgsamen Vaters, des Georg Adam Bernhard, gewesenen Müllermeisters in Rednitzhembach, der zu Schweinau d. 5. Dez. 1741 geboren u. d. 17. April 1822 gestorben ist, errichteten diesen Stein dessen hinterlassene Ehegattin und vier Kinder.
 













 









In der Ostmauer eingelassen ist eine weitere hochaufragende Gedenktafel neben einem alten und hinter dem neuen Grabstein der Familie Brunner. Die Inschrift erinnert an die Familiengeschichte der Brunners aus Meckenlohe im 19. Jahrhundert:

 





Dem Andenken der selig Vollendeten,
nämlich seiner Frau
Anna Barbara Brunner, Meckenlohe,
eine geb. Beck zu Leerstetten,
geb. a. 31. Okt. 1803, gest. a. 4. Januar 1840.
Leichentext: Jes. 38 I: Bestelle Dein Haus.

seiner Kinder:
Joh. August Brunner, gest. 1830 alt 20 Tage,
Eva Brunner, gest. 1841 0 Tage, Margaretha Barb. Brunner gest. 1845 ½ Jahr

seiner Aeltern
Adam Brunner, Bauer zu Meckenlohe
geb. 11. Dez. 1762 gest. 11. Februar 1829;
dessen Ehefrau Anna Maria eine geb. Gebhard aus Wallesau
geb 23. Sept. 1777, gest. den 20. Mai 1839
und seines Bruders
Georg Adam Brunner, geb. 1814 und gest. zu Meckenlohe d. 04. Sept. 1821
alt 7 Jahre 2 Monate 14 Tag
widmet dieses Denkmal
mit dem Nachrufe
Ruhet sanft ihr lieben Theuren in eurer Gruft
bis einmal euch die Stimme Gottes zu der Auferstehung ruft
u. Psalm 103  15  16  17  18
Georg Brunner, Bauer
und seine Tochter
Eva Marie in Meckenlohe


 
 
 Das hervortretendste Erinnerungsmal aus romantischer Zeit ist ein hoher, würfelförmiger Stein in klassizistischer Stilform, mit einem Aufsatz, der eine Urne trägt. Ringsum an den vier Seiten sind Steintafeln angebracht, auf denen wir lesen:
„Friede sei um diesen Grabstein her! Hoher Friede Gottes! Sie ruhen hier, die mich erzeugten und erzogen! Sie schlummert hier, die ehelich und treu im Leben mich beglückte! Du schlafest hier, du zarter Sprößling meiner süßen Liebe! Ach! Ruhet sanft, Ihr Lieben all! Friede sei um diesen Grabstein her! Hoher Friede Gottes!“
 
Dieser Stein birgt die irdische Hülle meines theuren Vaters Johann Michael Trautner, gew. Gastwirts zu Rednitzhembach, gest. 1803 in einem Alter von 60 Jahren. An seiner Seite ruhen die sterblichen Überreste meiner geliebten Mutter Margaretha Barbara Trautnerin, welche im Jahr 1825 in einem Alter von 78 Jahren verschied. Was ist der Tod? Der letzte Feind, der uns bedroht: Er kämpfet, fällt und liegt im Staube, denn es besiegt ihn der Glaube. Offb.Joh.l4. 13.
 
»Wisse, Leser, weiter: Hier ruhet die Hälfte meiner Seele, meiner theuren Ehegattin irdisches Theil, sie hieß Barbara und war eine geborne Hensinger. Ihre irdische Laufbahn endigte sie im Jahr 1829 in dem kurzen Lebensalter von 47 Jahren. An ihrer Seite liegt ein zarter Sproß ihrer Liebe, welcher den Namen trug: Anna Katharina, und im Jahr 1810 in einem Alter von 14 Tagen wieder verblühte. Einsam ist das Grab, kein Laut des Lebens, kein Gruß der Lieben besucht das ewig öde Grab, einsam ist das Grab. Kolosser 3.1-5.
 
»Nachdem ich dieses Denkmal meiner Liebe und Wehmut meinen in Gott entschlafenen Lieben aus treuem Herzen errichtet habe, hebe ich mein tränendes Auge zum Himmel und spreche: Der Glaube weiset himmelwärts! Gott gab die Liebe, gab den Schmerz, Er kennt der Trennung Wehen. Doch Glaube, Liebe, Hoffnung bleibt, wenn auch das Irdische zerstäubt.
 
Auf zwei Solnhofer Steintafeln rechts und links vom Mitteleingang zur Kirche, an der Kirchenwand angebracht, lesen wir:

 

 



»Dieser Stein ist nicht, den hier Erblassten der Vergessenheit zu entreißen - sein Nach­ruhm ist sein Denkmal - Er soll nur den Ort seiner Asche bezeichnen. Er ist der weiland Hochehrwürdige und Hochgelehrte Herr Johann Friedrich Franck Hochfürstlich Brandenburg-Onolzbach. bestverdienter Pfarrer zu Marckt Schwand u. eines Ehrwürdigen Capitels zu Schwabach Senior. Feuchtwang gab ihn der Welt d. 5. Jul. 1707, die Welt übergab Ihn der Ewigkeit d. 28. Aug. 1767. Hohentrüdingen, Dittenheim, Onolzheim u. Mt. Schwand waren die Örter der Weinberge, wo Er 32 Jahr arbeitete. Maria Clara, eine geb. Schreiberin von Anspach war seine Ehegattin. Ein Sohn war das Pfand dieser Ehe. Die Stärke des Geistes gleichte der Stärke seines Leibes und seine Gelehrsamkeit gleichte seinem Ansehen - Ruhm und Ehre begleiteten seine Schritte - Liebe und Ernsthaftigkeit gewannen den Zuhörer—Seine Großmuth machte Ihn erhaben und seine Dienstfertigkeit zum Menschenfreund - Leichentext Ebr. XIII. 7. Gedenket an eure Lehrer...
 



»In der Stille der Erden ruhet hier der in seinem Leben still gewesene Herr Johann Friedrich Bössbier, der Jägerey geflissener weyl. Tit. Herrn Friedrich Bössbier, Hoch­fürstlich Brandenb. Onolzbach. Wildmeisters zu Hohentrüdingen nachgelassener zweyter Sohn, welcher d. 12.May 1749zu Hohentrud.gebohrenu.d-25. Märt. 1769 in der vollen Blüte seiner Jugend nach ausgestandener 14tägiger Krankheit allhie zu Marckt Schwand bey seinem Herrn Schwager Christoph Andreas Grumm, Hochfürstlich Brandenb. Onolzbach. wohlverordneter Richter allhie sanft und selig entschlafen. Diß steinerne Denckmahl, welches sein einiger Bruder und 4 Schwestern setzen, ist ein Beweis der Liebe ihres seel. Bruders. Ruhe wohl in Frieden, biß wir ungeschieden dich dort wiedersehn, wo wir voller Freuden, frei von allem Leiden, triumphierend stehn, da uns Gottes Sohne vor des Höchsten Throne fröhlich heißet gehn!
 
 
 






Rechts vom Mitteleingang der Kirche befindet sich die alte Pfarrersgruft mit einer liegenden Grabplatte, wie sie im 16. Jahrhundert bei den Standespersonen eingeführt war. Folgende Pfarrer von Schwand sind nachweislich oder wahrscheinlich in der Pfarrersgruft beigesetzt:


 
 
 
Georg Renner gest. 1609, Jonas Pfützinger gest. 1618, Friedrich Kümmel gest. 1624, Johann Friedrich Franck gest. 1767, Johann Georg Schäfer gest. 1802, Johann Wolfgang Schäfer gest. 1819, Johann Gottlob Pius Jubitz gest. 1857.
 

Auf der Grabplatte ist ein barocker Aufsatz mit Kreuz, an dem angelehnt eine 
Gedenkplatte für Wilhelm Fischer steht:
Hier ruht in Gott
mein
meistgeliebter Sohn, Bruder
Schwager und Onkel
 Herr
Wilhelm Fischer
Rentamtsgehilfe in Nürnberg
 geb. 3. Sept. 1866, gest. 10 Mai 1898

 
und davor schräg liegend ein aufgeschlagenes Buch mit der Inschrift:


(Diese konnte noch nicht entziffert werden -  Hilfe dazu wird dankbar angenommen, ebenso zu der Frage, warum Herr Fischer in der Pfarrersgruft seine letzte Ruhestätte gefunden hat)
 




In der Richtergruft links vom Eingang sind - wahrscheinlich - folgende Richter begraben:


 
 
 











Veit Hans Heertzhauser gest. 1687, Georg Matthäus Grumm gest. 1751, Christoph Andreas Grumm gest. 1797.
 
 
 
 




Rechts vom Kircheneingang befindet sich die Gedenktafel für den Pfarrvikar Johann Pirner.
Hier ruhet in Frieden
Herr Pfarrvikar
Johann Pirner
aus Ratzenhof bei Sulzbach
geb: den 28. Februar 1814
gest: den 15. Mai 1841
 
Ich liebe, die mich lieben; und die
mich früh suchen, finden mich.
Prov: 8,17

F. bei Wilh: Arauner
aus Solenhofen
 
 
 
 
 




Links vom Eingang sind mehrere Gedenktafeln zur Erinnerung an Schwander Lehrer:


 
Die einzelnen Gedenktafeln von links nach rechts:


 
Oberlehrer und Kantor
Johann Georg Ritter
Ehrenbürger der Mkt. Gemeinde Schwand
zum ehrenden Gedächtnis
geb. 17. 08. 1853   gest. 03. 06. 1926
Sein Wirken galt dem Wohl der Gemeinde Schwand
der er stets ein Freund und Helfer gewesen ist.
Sei getreu bis in den Tod
So will ich Dir die Krone des Lebens geben
Off. d Joh. 2,10 

 

 

 

Hier ruhet in Gott
unser innigstgeliebter Gatte und Vater
Herr
Konr. Oßwald
Lehrer u. Kantor in Schwand
geb. 14. Dez. 1840      gest. 8. Sept.1891
In dankbarer Liebe gewidmet von den tieftrauernden Hinterbliebenen


Von einem seiner Nachfahren, dem Hanns-Michael Oßwald aus dem Bundesland Sachsen, bekam ich folgende Informationen:

 Meine Urgroßmutter,  Kunigunde Oßwald, geb. Lades, stammt ebenfalls aus Schwand. Sie wurde dort am 10.06.1847 geboren und verstarb am
30.05.1917 
in Erlangen. Auch die Eheschließung meiner Urgroßeltern war in Schwand, am 21.04.1868. Die Ehe brachte drei Kinder hervor, das jüngste mein Großvater, Michael  Wilhelm Ludwig Oßwald, ging seinerzeit nach Sachsen.




   
  Hier ruhen die
Gebeine
unseres unvergeßlichen
Vaters
Johann Bauereiß
Schullehrer und Cantor
in Mkt. Schwand
geb. d. 4. Jan. 1804  gest. d. 2. Sept. 1854
Friede seiner Asche




 

 
 

 
In dieser Nähe ruhen die Gebeine
eines theuren Gatten und Vaters,
eines vielgeliebten Lehrers
des wie? Herrn
Joh. Leonh. Ferdinand Autenrieth
geb. zu Unterschweinach d. 5. März 1791
gest. d. 29. Mai 1842
nachdem er 28 Jahre als Cantor u. Schullehrer dahier
eifrig und segensreich gewirkt hatte.
in treuer Liebe sein Gedächtnis zu ehren
setzte ihm dieses Denkmal
die hinterbliebene Gattin
Wilhelmine Autenrieth, geb. Dorner
mit ihren 2 Kindern





 
Hier ruhen in Gott und Christo
Johann Hellmuth
Kantor und Lehrer dahier. Er starb in seinem 64. Lebens-
und im 45. Berufsjahre am 28. Juli 1863.
An seiner Seite ruht seine treue Gattin erster Ehe
Katharina Hellmuth, geb. Wehr.
Sie starb in ihrem 62. Jahre
Gewidmet von seiner tieftrauernden Gattin zweiter Ehe
Marg. Hellmuth, geb. Krauß





Während in früherer Zeit nur Holzkreuze oder schmiedeeiserne Kreuze auf den Gräbern üblich waren, bei Honoratioren liegende Grabplatten, wurden nach dem Kirchenneubau die Grabsteine üblich. Heute haben fast alle Familien ihre Familiengräber, die sie zu erhalten suchen.


 
 
In jüngerer Zeit wurden mehrfach Friedhoferweiterungen durchgeführt, so in den Jahren 1953 und 1984.



Der allgemein übliche Gang vor oder nach dem Gottesdienst zu den Gräbern der Angehörigen soll uns an unsere Vergänglichkeit erinnern, wie es im Psalm 103 heißt: »Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blühet wie eine Blume auf dem Felde. Wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da und ihre Stätte kennet sie nicht mehr! Zugleich getröstet im Leid dürfen wir an unsere Auferstehungslieder denken und den Herrn aller Herren bitten: „Leucht uns selbst in jene Welt, du verklärte Gnadensonne! Führ uns durch das Tränenfeld in das Land der süßen Wonne, da die Lust, die uns erhöht, nie vergeht!“ (Knorr von Rosenroth).
 


Entnommen aus der Broschüre: „800 Jahre Kirche in Schwand“, erschienen 1986 und verfasst von Pfarrer i.R. Georg Rusam.



 

Zusammengestellt, ergänzt und mit eigenen Bildern illustriert im Oktober 2013
Alfred J. Köhl




Heute hat sogar die alte Kirchturmspitze von (wahrscheinlich) 1754 einen würdigen Platz in diesem Friedhof gefunden.




Im Anhang finden Sie den Artikel von Gunther Hess wie er am Samstag, den 16. November 2013 im Schwabacher Tagblatt erschienen ist.
Der Johannesfriedhof in Schwand