Eine kleine Geschichte der Dorfschulen in Franken
Um 1500 Die ersten „teutschen“ Dorfschulen entstehen in Franken im Umfeld von Nürnberg. Sie unterscheiden sich in ihrem geminderten Bildungsangebot deutlich von den städtischen Lateinschulen.
1524 Der bei Rothenburg ob der Tauber geborene Valentin Ickelsamer entwirft die erste Lesefibel (erstmals
1633 in Nürnberg gedruckt).
Um 1530 Der Nürnberger Schreib- und Rechenmeister Johann Neudörfer d. Ä. (1497-1563) veröffentlicht das erste Schreibmusterbuch nördlich der Alpen. Neudörfer war maßgeblich an der Entwicklung der ersten Druckschrift (Fraktur) beteiligt.
Um 1630 Der Dreißigjährige Krieg brachte das Schulwesen für Jahrzehnte fast völlig zum Erliegen.
18./19. Jahrhundert waren die ersten Schul- und Rechenmeister noch wie Handwerker zünftig organisiert, so fanden sich nicht nur im Markgrafentum Ansbach im späten 18. Jahrhundert häufig ausgediente Soldaten mit zweifelhaften Kenntnissen als Dorfschullehrer. Wegen der geringen Besoldung mussten die Lehrer immer auch die Mesnerstelle, die gemeindliche Schreibtätigkeit, den Orgeldienst der Kantoren und meist das Leichensingen mit versehen, was ihnen die notwendigen Zusatzeinnahmen brachte. Die Schneiderei war eine weitere beliebte Nebentätigkeit der Dorfschullehrer, die aus Geldnot oft bis ins hohe Alter arbeiten mussten.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Königreich Bayern. Da die Dorfkinder als Helfer in der Landwirtschaft unabkömmlich waren, fehlten im 19. Jahrhundert dennoch oft 50% und mehr der Schüler. Der in Bayern bereits früh vorgeschriebene Schulentlassungsschein, der bei Hauskäufen, Heirat oder Arbeitsantritt von Gesellen vorgezeigt werden musste, stellte allerdings ein probates Mittel zur Durchsetzung der Schulpflicht dar.
Einführung der Sonn- und Feiertagsschule für die 12- bis 18- jährigen, einer Art Fortbildungsschule mit berufspraktischen, vor allem aber religiösen Inhalten, die an den Nachmittagen der Sonn- und Feiertage (mit Ausnahme der Erntezeit) stattfand.
Um 1900 Ein bayerischer Dorfschullehrer unterrichtete an den Werktagsschulen im Durchschnitt 61 Schüler(innen) im Klassenunterricht und an den Sonn- und Feiertagsschulen 20 Schüler(innen).
1920 Die siebenklassige Volksschule wird in Bayern offiziell eingeführt.
1938 Die siebenklassige Volksschule wird abgeschafft und durch die achtklassige ersetzt.
1951 wurde das Lehrerinnenzölibat auch in Bayern endgültig aufgehoben, sodass Lehrerinnen auch nach der Heirat im Schuldienst bleiben konnten. Es gab aber immer noch viele "Fräulein" (so wurde eine Lehrerin angesprochen, egal wie alt (oder jung) sie war).
1962 Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Schüler, die im elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb mithelfen mussten, schon zum Schulhalbjahr entlassen werden konnten, also nur 7, 5 (siebeneinhalb) Jahre in der Volksschule waren.
1964: Die bisherigen Volksschulen (acht Schuljahre) wurden aufgrund des Hamburger Abkommens zur Bildungsreform formell aufgelöst.
1968 Aufhebung der christlichen Bekenntnisschulen und Übergang zu überkonfessionellen Gemeinschaftsschulen in Bayern.
1969 Aufhebung der einklassigen ländlichen Zwergschulen und Schaffung von Schulzentren.
1969: Das Schulpflichtgesetz fixierte die Einführung eines neunten Schuljahres.
1971: Offizielle Einführung des zehnten Schuljahres an den Hauptschulen.
1983: Die Prügelstrafe an Schulen wird (auch) in Bayern offiziell abgeschafft.
???
Und so schaute damals eine Schulbank aus:

Sie standen fest verankert hintereinander, waren auf einer Seite mit Scharnieren am Boden befestigt, so dass man sie zum Reinigen des Fußbodens hochklappen konnte. Auch war damit sichergestellt, dass sie in "Reih und Glied" standen.

Wenn man etewas zum Unterricht beitragen wollte, musste man aufstehen und aus der Bank raustreten. So wurden auch am Morgen die Lehrkräfte begrüßt - alle Schülerinnen und Schüler standen auf.
Schwanstetten im Mai / September 2025 / Januar 2026
Alfred J. Köhl