Simon Premser - der Blinde von Schwand

Simon Premser

 

der Blinde von Schwand

 

 


Der Bäcker
Seit 1754 läutet die Premserglocke über das Hembachtal und die stillen Wälder und lässt die Erinnerung an jenen „Blinden von Schwand“ weiterleben, dessen Schicksal uns noch heute anrührt:

 

Am 18. August 1681 in Schwimbach geboren erlernte er das Bäckerhandwerk und kam als mittelloser Geselle 1704 nach Schwand. Als vorwärtsstrebendem jungen Mann war es ihm gelungen, sich durch Fleiß, Ehrlichkeit und Sparsamkeit emporzuarbeiten. Als er 1708 die Metzgerstochter Anna Maria Treiber aus Offenbau ehelichte, konnte sich das junge Paar wohl auch durch die Mitgift der Braut die Bäckerei seines Meisters samt Haus käuflich erwerben. Von Anna Maria wird berichtet, dass sie als Ehegesponsin durch ihre Emsigkeit und Sparsamkeit die Schränke und Truhen noch mehr füllen half. Inzwischen selbst Meister geworden, hatte er eine glückliche Hand, das Geschäft ging gut, so dass er zu Wohlstand und Ansehen unter den Leuten kam.

 

Beider Glück schien noch erhöht durch die Geburt ihrer Tochter Dorothea (1710), die ihnen jedoch mit zwei Jahren schon wieder genommen wurde. Die Eltern überwanden das herbe Leid jedoch bald, da ihnen schon 1713 eine weitere Tochter geboren wurde, die sie Helenaam 25. September auf den Namen Maria Helen taufen ließen. Von ihr wird berichtet, dass sie nicht nur durch beneidenswerte Schönheit, sondern vor allem durch ihre Herzensgüte und engelreines Gemüt allgemeine Verwunderung und Zuneigung erregte. Wer hätte es dem Vater verdenken können, dass er mit Stolz von seinem Kinde sprach und sein Töchterchen wie seinen Augapfel hütete. 1732 erfasste die holde Jungfrau eine schleichende Krankheit und das Rot ihrer Wangen schwand zusehends. Sie glich einer Blume, die, eben aufgeblüht, schon wieder zum Verwelken bestimmt ist. Doch der Vater redete sich ein, dass es wieder besser werden würde, wenn erst der nächste Frühling kommen würde. Der Frühling kam doch es wurde nicht besser. Helena starb am 29. Mai 1733. Simon Bremser war ein gebrochener Mann – und er brach mit seinem Herrgott. „Himmel, ich kann dich nicht mehr anschauen, du hast mir meine Tochter genommen!“

 



Damit er den Himmel nicht mehr sehen musste ließ er sich einen großen Hut mit extra breitem Rand machen, den er immer aufsetzte, Mann mit Hutwenn er auf die Gasse ging. Er wurde zu einem finsteren, mürrischen Mann, dem die Leute aus dem Weg gingen, so dass er auch immer einsamer wurde und allen Tröstungen unzugänglich. Neun lange Jahre konnte man den finsteren Mann, einem bösen Dämon gleich, mit dem großen Hut umhergehen sehen. Auch die sonst alles heilende Zeit hatte seinen Trotz nicht gebrochen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich 1742 die Kunde in Schwand: „Ein Gottesgericht! Jetzt muss der Meister Bremser den Himmel nicht mehr sehen. Er ist blind geworden!“ Doch dieser erneute Schicksalsschlag führte nun dazu, dass sein Trotz brach. Die finstere Macht in seinem Inneren war von ihm gewichen. Er war zwar auf fremde Hilfe angewiesen, konnte aber anderen helfen. Und das tat er. Aus dem erbitterten Menschenfeind mit dem trotzigen Gesicht war ein ehrwürdiger Greis mit milden Zügen geworden. Die letzten 12 Jahre seines Lebens war er, der „Vater Bremser“n der Vater der Armen. Zuletzt sehnte er sich nur noch danachn endlich auch bei seiner Helena sein zu dürfen. Doch er haderte nicht mehr mit seinem Geschick – der schwere Schicksalsschlag hatte sein Herz geläutert. Als 1754 die neue Schwander Kirche erbaut wurde machte er noch kurz vor seinem Tod ein Testament: Zur Anschaffung von Altar, Kanzel und 3 Ölgemälden - 600 Gulden; für die neue Glocke „Helena“ zur Erinnerung an seine Tochter - 750 Gulden; für die Armen - 1000 Gulden und als Weißbrotspende für arme Kinder als Erinnerung an seine Helena am 29. 05. - 100 Gulden. (Die Stiftung hat - wie vile andere auch - 1923 ihren Kapitalstock verloren.)

 

Gedenktafel in der Johanneskirche

 

 

Am 29. September 1754 verstarb Simon Premser und wurde am 01. 10. auf dem Friedhof zu Schwand beerdigt. Die Inschrift der Premserglocke: Zur Ehre Gottes und seines Dienstes ist diese Glocke wegen Jungfer Maria Helene Premserin frühzeitigem Tod von ihren Eltern Meister Simon Premser Bürger und Bäcker allhier und seiner Ehefrauen Anna Maria zu deren seeligen und unvergesslichen Andenken gestiftet worden. Schwand den 16. Oktober 1754 Johann Ernst Lösch von Crailsheim goss mich in Roth.

 

 

Nacherzählt aus der Festschrift "800 Jahre Kirche in Schwand 1986"

 

 

 

 

 

Premsers Geschichte

Illustriert mit den Bildern aus dem Malwettbewerb 2010 - Simon Premser

Dezember 2010/ Juli 2012

Alfred J. Köhl

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Ein Wohltäter in Schwand