Rose

Standort

Rosengasse 1 Schwand
90596 Schwanstetten
Deutschland
49° 17' 48.4296" N, 11° 7' 21.6336" E
DE

Ortsteil Schwand

Die "Rose"

 

Rose als Gemälde

Gasthaus,

erdgeschossiger Sandsteinquaderbau,

errichtet 1859.

 

 

 

Hausname: "Gasthof zur Rose"; nimmt wohl Bezug auf die "Rosengasse"

 

seit 2000 "La Rosa"

 

 

Situation:Strassenansicht

Das erdgeschossige Gasthaus mit steilem Satteldach steht giebelseitig nach Westen, zur Straße. Es ist städtebaulich in seine Umgebung, den Altort, eingebunden. Dort bildet es den Fixpunkt in der Biegung der Rosengasse, da sein Anblick auf allen Bewegungsrichtungen, von der "Rother Straße" wie von der "Allersberger Straße" her, den Mittelpunkt bildet. Der Gasthof ist ein unverzichtbares, gewachsenes Merkmal des Ortsbildes. Er ist ein städtebauliches, sozialgeschichtliches und ortsarchitektonisches Denkmal. Rückwärtig befindet sich ein Garten, der im Sommer als Biergarten und im Winter als Parkplatz genutzt wird.

 

Datierung:

Nach der Inschrift im Türsturz des Haupteingangs: 1859. Die Jahreszahl entspricht dem Phänotyp des Gebäudes. Die Geschoßgesimse, sowie das Ortgangband und der giebelseitige Traufgesimsansatz aus Sandstein, nehmen ältere barocke Traditionen auf wie auch die Fenstersohlbänke, jedoch ohne barocke Formen erreichen zu wollen. Deutlich wird das an den glatt geschnittenen Gewänden der Fenster und der Türen. Es ist ein historisierendes Gebäude. Auch die ehemalige Innenraumgliederung verweist auf das im Sturz angegebene Datum. Sie leitet sich zwar von der barocken Wohnstallarchitektur her; allerdings ist der Gastwirtschaftsanteil bereits deutlich angewachsen, während der Stallbereich fast verdrängt erscheint. Stube und anschließende ehemalige Küche nehmen bereits 2/3 der linken Gebäudehälfte ein. Während der Stall ursprünglich nur noch das rückwärtige Viertel des Hauses einnahm; später, vor seiner Auflösung, nahm er nur mehr die rückwärtige Hälfte der rechten Haushälfte ein.

Auf dem Katasterplan ist das Grundstück mit der Nummer 35 gekennzeichnet.

 

Geschichtliches:

 

Kegelbahn, so wie sie 1859 geplant war.

 

Das Haus wurde als Gasthaus erbaut. Auf den älteren Katasterblättern weist das Grundstück eine Merkwürdigkeit auf: Es kragt vor dem Grundstück weit in die Rosengasse und lässt das Grundstück mit Fl.Nr. 66 nur über das Grundstück des Gasthofs erschließen, was ein Hinweis darauf ist, dass Fl.Nr. 66 aus dem Grundstück des Gasthofs hervorging. Der Gasthof auf der Flurkarte von 1867 hat einen schmalen rückwärtigen Stall, der die gesamte rückwärtige Breite einnahm. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts war der Stall als solcher mit Milchkühen und Kälbern belegt.

 

Zusammen mit der Gastwirtschaft wurde 1859 auch eine Kegelbahn geplant und gebaut.

 

 






Baugeschichte:

1859 erbaut; rückwärtiger Anbau mit WC wohl erst in den sechziger Jahren (lt. Eigentümer).
1995 Umgestaltung zur weiteren Nutzung als Gasthaus. Am 1. Mai 1995 fand die Wiedereröffnung statt.

 

Beschreibung:

Eingabeplan 1859

 

Eingabeplan von 1859

Das giebelständige Gasthaus wird von Westen her über einen mittigen Zugang erschlossen.

Außen: Das erdgeschossige Haus mit Satteldach steht auf längsrechteckigem Grundriß. Seine sandsteinsichtige Fassade wird durch das zum Bau verwendete Material belebt. Die Fassade wird durch Sohlgurtgesimse, wenig hervorkragende Fenstergesimse und die Öffnungen der Fenster und der Tür bestimmt. Sie ist auf Kreuzstockfenster mit zweiflügeligen Schlagläden ausgelegt. Die traufseitigen und rückwärtigen Fenster wurden in den sechziger Jahren verändert, was die Sinnfälligkeit der Architekturform, die sich in den Fensterformen und -größen manifestiert, stört. Der rückwärtige Giebel (Ostansicht) ist aus Fachwerk, jedoch mit Asbestzementplatten verschalt und somit nicht sichtbar.

Innen: Auch die Innenraumaufteilung folgt der barocken Wohnstalltradition, wobei sich hier schon zeitlich bedingte Veränderungen, wie die mittige Erschließung und die Verdrängung des Stalls bemerkbar machen.

EG1859

 

Der mittige Flur durchzog das Haus der Länge nach und mündete in den Stall. Später wurde er bis zum Hinterausgang verlängert. Auf der linken Gebäudehälfte befand sich die ursprüngl. kleinere Stube mit Bohlenbalkendecke. An sie schloss sich eine Küche an, von der aus die Stube über einen Kachelofen beheizt wurde. Rückwärtig folgte der Stall, später eine Kammer (heute Küche). Auf der rechten Gebäudehälfte befand sich ein Schankraum, auf den die Erschließung des DG folgte. Ein Kühlraum/Speis schloss daran an. Rückwärtig befand sich der Stall (heute Wohnzimmer) Stube, alte Küche, Schankraum, Flur und Treppenaufgang. Sie sind heute zu einem großen Gastzimmer zusammengefasst worden, wobei die ehemalige Situation noch immer nachvollzogen werden kann. Nur der Stallbereich ist nicht mehr zu erkennen. Die alten kleinen Stallfenster wurden bei der Renovierung zugemauert. Das OG wurde früher von einer gegenläufigen Podesttreppe erschlossen, die heute durch eine gerade, einläufige Treppe ersetzt ist. Im DG befand sich giebelseitig eine große Kammer, die heute durch neuere Raumaufteilung ersetzt wurde. Im rückwärtigen DG wurde früher Heu und/oder Getreide gelagert; im 2. DG wurde Hopfen und Tabak getrocknet.

 
Erdgeschossgrundriss

 

Konstruktion: Das Haus besitzt keinen Keller.

Das aufgehende Außenmauerwerk besteht aus grauen Sandsteinquadern.

Das Innenmauerwerk war im Flur ursprünglich ein Fachwerk (im mittleren Bereich ist es noch erhalten). Das Mauerwerk zum Stall ist ebenfalls aus Sandstein. Die Decken sind mit Fehlböden; in der Stube ehemals mit einer Bohlen-Balkendecke errichtet. Die Böden sind sämtlich erneuert. Der rückwärtige Giebel ist eine Fachwerkskonstruktion, die mit Asbestzementplatten verkleidet ist.

 

Schnitt1859
Ein Gebäudeschnitt (die "armen" Handwerker, die danach hätten arbeiten sollen)

Dachstuhl: zweigeschossiger, doppelt stehender Kehlbalkenstuhl, gebeilt, verzapft, mit Holznägeln gesichert. Dachdeckung Rundschnittbiber doppelt. Wenn man den Originalplan von 1859 mit der heute vorhandenen Bausubstanz vergleicht, erkennt man, dass einiges von dem, was - und insbesondere wie - es damals geplant war, nicht - oder anders zur Ausführung kam. Wahrscheinlich waren die für das Dach geschlagenen Bäume größer und somit die Sparren etwas länger, dadurch ergab sich ein etwas höheres Dach und somit der zusätzliche Spitzboden. Auch kamen die geplanten Treppen so nie zur Ausführung. Ebenso wurde die Grundriss- und die Fassadengestaltung mit der Fensteranordnung endgültig wohl erst während des Bauverlaufs festgelegt. Der Plan stellt so nur eine „detailierte Absichtszeichnung" dar.

 

Türen und Fenster wurden 1995 erneuert, die Fenster als Sprossenfenster und wieder mit Fensterläden. Die Neigung der Fenstersohlbänke wurde mechanisch verstärkt.

 

WirtsstubeNutzung: Haus wird im EG als Gastwirtschaft genutzt, im DG als Wohnraum.

 

 

 

Erhaltungszustand:

 

Gut - nach jüngster Renovierung (1995),

 

 

 

 

Allgemeines Urteil: Baulich in gutem Zustand.Giebelansicht

 

 

 

 

Literatur:

Markt Schwanstetten, Ortsteil Schwand

Denkmalkartierung von 1995, Autor Hermann Schubach, M.A.


Denkmäler in Bayern, Bd. 5 - Mittelfr., hrsg. Michael Petzet, München 1986, S. 476

Zusammengestellt mit Hilfe der Besitzer Brunhilde und Balthasar Zeh (Originalpläne von 1859)

und der Wirtsleute Cristina und Carlo Valentini

Schwand im Mai 2008, ergänzt im Oktober 2015

Alfred J. Köhl

 

weitergehendes Literaturverzeichnis

Chronik der Rose

weitere Dokumente zur "Rose"

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Gebäudebeschreibung als Denkmal