Pino

Standort

Hauptstraße 16 Leerstetten
90596 Schwanstetten
Deutschland
49° 19' 31.1952" N, 11° 7' 20.6652" E
DE
Alte Straßenansicht

 
Eine alte Strassenansicht mit Friedenslinde von 1871
 





Hauptstraße 16.

 

Gasthaus,

erdgeschossiger Sandsteinquaderbau, Fachwerkgiebel,

Anfang 18. Jh.

 

Hausname:


einst: Gasthaus "Jägersruh"; war einmal Treffpunkt der Jäger
heute: Pizzeria Pino
Pino

 

 

Situation:

 

Vom Kirchturm aus gesehen


Das Haus steht giebelständig im Zentrum von Leerstetten an der Hauptstraße. Zugleich bildete es einst 
und auch heute wieder - den südlichen Abschluss des Dorfplatzes, der vom Gemeindehaus und der ehemaligen Schule auf den anderen Seiten umsäumt wird. Gegenüber befindet sich die Ortskirche Peter und Paul. Gemeinsam mit den genannten Gebäuden ist es ein wichtiges städtebauliches und sozialhistorisches Denkmal, das die dörfliche und soziokulturelle Struktur bewahrt hat.

 

 

Datierung:

 

Das Haus ist bereits auf dem Urkataster von 1832 eingetragen. Das Fachwerksystem des straßenseitigen Giebels, das liegende Kreuze unter den Fenstern und das "Mann" Motiv mit K-Streben zeigt, legt eine solche Datierung nahe. Auch durch die Fachwerkinnenkonstruktion mit Lehm-Stroh-Gefachfüllungen erscheint diese Altersangabe plausibel. Die Fenster des Giebels sind im Fachwerk nicht in dieser Größe angelegt. Die schöne, niedere böhmische Gewölbekonstruktion ist wohl jünger. Sie erscheint in der Regel erst in der Mitte des 19. Jh. und ist vorher nur in Ausnahmefällen belegbar.

 

 

Geschichtliches:

 

Straßenansicht

Ostgiebel mit Fachwerk

Das Gasthaus war einst der Kern eines ursprünglich landwirtschaftlichen Betriebs mit Gastwirtschaft, wovon der rechtsseitige Stall zeugte.

 

Die Gastwirtschaft selbst war durch ihre Nähe zur Kirche ein zentraler gesellschaftlicher Mittelpunkt mit einer gewissen politischen Bedeutung, die den Wirten zu Eigen war. Zur Kirchennähe trat die Ausbildung des Dorfplatzes mit Schule und Rathaus, die Anfang des 19. Jahrhunderts durchgeführt wurde. Bei der Kirchweih spielte das Gebäude als Treff- und Austragspunkt eine zentrale Rolle.

 

 


Westgiebel neu verputzt

Westgiebel - neu verputzt

 

 

Jagdpächter und Vereine trafen sich hier bis ca. 1968. Heute ist der Dorfplatz in seiner alten Funktion durch die Maßnahmen der Altortsanierung in den Jahren 2000 bis 2002 wieder sichtbar.

 

1886 wird eine Fr. Barbara Rühl als Eigentümerin benannt, die in einer Randbemerkung als "12. benannte Besitzerin" bezeichnet wird. Im Jahr 1921 kaufte der Schustermeister Johann Jäger mit seiner Ehefrau Margarete aus Nürnberg die Gaststätte mit Milchgeschäft. Im Jahr 1951 wurde die Gaststätte an den Enkel Hans Buchner und seine Ehefrau Betty überschrieben. Seit 2004 sind die Eigentümer Horst und Maria Buchner.

 

 

Baugeschichte: (u. a. nach den Bauakten im Rathaus)

 

Das Gebäude wurde wohl Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut, gegen Mitte des 19. Jahrhunderts wurden wohl die böhmischen Kappen - Gewölbe eingebaut, und so um 1900 der Dachstuhl (rindensichtig und gesägt) erneuert. 1910 wurde der Fachwerkgiebel verputzt. Das Fachwerk zur Hauptstraße wurde zwischen den Jahren 1921 und 1948 freigelegt. Der im heutigen Nebenzimmer vorhandene Keller wurde zugeschüttet und durch einen Kühlraum ersetzt. Im Jahr 1961 wurden die Außentoiletten (Plumps-Klos) abgerissen und wie derzeit noch in Betrieb, in den Innenbereich des Hauses (ehemaliger Stall) verlegt. Im Jahr 1978 erfolgte eine Dachumdeckung, wo es nötig war, wurden Sparren, die Lattung und die Wetterbretter erneuert. 1989 dann erfolgte eine Vergrößerung des Getränkekühlraums und der Einbau eines Nebenzimmers in den ehemaligen Schankraum.

 

Eine „Generalsanierung" fand von 2000 bis 2002 statt.

Bilder dieser Maßnahme als "Vorher - Nachher- Dokumentation" finden Sie hier:

 

Beschreibung:

 

Von der Strasse aus gesehen

Das Haus steht auf einem längsrechteckigen Grundriss. Es ist ein erdgeschossiger Bau mit Satteldach und wird giebelseitig von Osten erschlossen. Der Hof befindet sich rückwärtig. Das Erscheinungsbild wird vom hohen Satteldach und der Fenstergliederung geprägt, das die innere Nutzung der Räume nach außen hin transparent macht, oder transparent machte. Die Architekturform leitet sich von der Tradition des Wohnstalls her, der historisch typischen Wohnform der Region. Das Haus ist fassadenseitig auf Kreuzstockfenster mit einfachen Schlagläden ausgelegt.Der Hauseingang ist nach rechts versetzt, um der zweifenstrigen Gaststube in der linken Gebäudehälfte Raum zu geben. Rechts erkennt man das Fenster des ehem. Schankraums, der räumlich von der Stube getrennt war. Darüber erhebt sich der Fachwerkgiebel, der die architektonische Gliederung des dreigeschossigen Dachraums als einen dreifach stehenden Kehlbalkenstuhl darstellt. Der rückwärtige Giebel ist ein einfacheres Fachwerk, aber verkleidet. Traufseitig zeigten früher das kleinere Küchenfenster und das rückwärtige größere Kammerfenster und die kleinen segmentbogigen Stallfenster die Funktion der Räume an.

 

 

Grundriss
Erdgeschossgrundriss

 

Innen: Das Innere wird durch einen rechtsgelagerten Flur erschlossen der in einen rückwärtigen Ausgang mündet. Es zeigt die traditionelle Gliederung dieser Wohnform. Auf der linken Haushälfte befindet sich fassadenseitig die Gaststube, die durch eine Bohlen-Balken-Decke ausgezeichnet ist. Sie war mit der folgenden ursprünglich gewölbten Küche verbunden und wurde von dieser über einen Kachelofen beheizt. Heute sind beide Räume für eine große Gaststube mit Ausschank zusammengefasst. Rückwärtig folgte einen Schlafkammer, die heutige Küche. Auf der rechten Seite lag gegenüber der Stube der Schankraum, das heutige Nebenzimmer, mit einem kleinen rückwärtigen Getränkelager, dem heutigen Kühlraum. Auf dieses folgte der böhmisch gewölbte Stall, der heute in Speis, Bad und WC untergliedert ist.

Grundriss OG
Obergeschoss mit Tanzraum

 

Das DG wird über eine gerade, einläufige Stiege erschlossen, die heute in einen geräumigen, querliegenden Flur mündet. Fassadenseitig befindet sich hier ein großer Raum, der als Tanzraum und Vereinsraum sowie für die Kirchweihfeier genutzt wurde. Rückwärtig wurden zwei Schlafkammern eingefügt, mittig rechts eine kleine Küche und die Erschließung des 2. DG über eine steile eingestemmte Stiege. Ausstattungsdetails: Hier wäre die Bohlen-Balkendecke in der Stube und die Holzstiege EG/OG zu nennen, die wohl gegen 1900 erstellt wurden.

 

 

ohne Westgiebelwand

Westgiebel - während der Renovierung geöffnet

Das aufgehende Mauerwerk ist aus Bruchstein, bzw. Sandstein. Der östliche Hauptgiebel ist eine fachwerksichtige Konstruktion mit K-Strebensystem, "Mann" und liegenden Kreuzen; gezapft, gebeilt und mit Holznägeln gesichert. Der rückwärtige Giebel ist ein einfaches Ständer-Strebensystem.

 

Die Innenkonstruktion war ein Fachwerk mit Lehm-Stroh-Gefachfüllungen. Die ehemaligen Mauern zur Küche bestanden aus Bruchstein; zum Stall setzt die böhmische Gewölbebildung mit Ziegelmauerwerk ein.

Böden: Diese wurden erneuert; ursprünglich waren im Flur und in der Küche Fliesen; in Stube, Ausschank und Kammer wohl Dielen. Im DG-Saal auch Dielen.

Deckenbildung mit Fehlböden: in der Stube mit der Bohlen-Balkendecke. im Stall mit böhmischem Gewölbe.

Dachstuhl: dreigeschossiger, dreifach stehender Kehlbalkenstuhl, im 2. DG zweifach stehend. 3. DG auf Hahnenbalken. Dachdeckung mit Rundschnittbibern, doppelt.

 

Kirchweih 1910

Kirchweih 1910

Türen und Fenster: urspr. Kreuzstockfenster mit Schlagläden, erneuert wie die Türen. Im Giebel ein Fenster der 1. Hälfte des 20. Jh.

 

Nutzung:

Die Gastwirtschaft wird als Pizzeria betrieben.

Im 1. OG befinden sich 3 Personalräume und ein kleines Badezimmer.

Im 2. OG befindet sich die Gasheizung

 

 

Erhaltungszustand:

 

 

Im Oktober 2002 wurde mittels Urkunde, Herrn Hans Buchner vom Bezirk Mittelfranken für hervorragende Denkmalpflegerische Leistungen an dem Gasthaus in Leerstetten Hauptstr. 16 Dank und Anerkennung ausgesprochen.

 

Zu den Wirtshausgeschichten des Hans Volkert

Besitzer, Gemeinderatsbeschlüsse und sonstiges Wissenswerte

 

 

 

 

 

 

Literatur: Denkmalkartierung 1995 der Marktgemeinde Schwanstetten, Autor M.A. Hermann Schubach

Denkmäler in Bayern, Bd. 5 - Mittelfr., hrsg. Michael Petzet, München 1986, S. 475

Staatl. Vermessungsamt Schwabach: Grund- und Lagerbuch. Acta der königl. unmittelbaren Steuerkataster-Commission, 1886. Darin enthalten die Aufzeichnungen von 1821 (Schwand), bzw. 1832 (Leerstetten, Harm, Mittelhembach, Furth)

 

Literaturverzeichnis

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Schwanstetten im Januar 2008

Alfred J. Köhl

 

Früher die Jägersruh, heute Pinos