Otto Klein - der Totengräber

 

 

Der Totengräber von Schwand

 

Otto Klein bei der Arbeit

 

Otto Klein, geb. 21.05. 1926 in Schwand

Walpurga Klein

Konrad Klein Der Vater, Konrad Klein, heiratete 1914 in Ernsing, Kreis Kehlheim, die Walburga, eine geborene Bauer. Walburga war katholisch und als sie zusammen mit ihrem Mann im Jahre 1917 nach Schwand zog, die erste Katholikin im Ort.

 

Otto war das sechste von sieben Kindern, von denen außer ihm heute nur noch die um ein Jahr ältere Schwester Frieda lebt.

 

Die beiden sind die ersten noch lebenden Katholiken, die in Schwand geboren und getauft wurden.

 

 

 

Otto Klein, Konrad Kaufmann, Hans Oßwald, Hans Rachinger und Balthasar PfannOtto vor dem Schulhaus

 

Otto wurde in Schwand eingeschult. Von 1932 bis 1940 besuchte er die Volksschule. Sein Unterricht bei Lehrer Paulus und Lehrer Meier fand im alten Schulhaus, der Lehranstalt von 1831, statt.

 

Lehrer Paulus war bereits seit dem Neubau der Schule 1912 im Ort tätig.

 

Noch heute erinnert er sich an den tragischen Tod eines weiteren Lehrers in Schwand, der 1934 bei einem Jagdunfall ums Leben kam.

 

Bereits 1938 verstarb der Vater Konrad Klein im Alter von 48 Jahren.

 

 

Schon bei Kriegsbeginn 1939 wurden die vier Brüder von Otto, Willi, Konrad, Georg und Klaus eingezogen. Georg fiel 1944 in Russland bei Perikogku (Stalingrad). 1942 war bereits der Schwager Hans Feierlein gefallen.

 

Von 1940 bis 1943 machte Otto eine Lehre als „Diamantziehsteinmacher" bei Wilhelm Sommer in Schwabach.

 

Bei Wind und Wetter musste sich der 14jährige mit dem Fahrrad rechtzeitig auf den Weg machen, um zu Arbeitsbeginn um 6.30 Uhr pünktlich am Arbeitsplatz in Schwabach zu sein. Um 17.30, oft aber auch erst um 18.00 Uhr ging es dann zurück nach Schwand. Auch am Samstag wurden noch 6 bis 8 Stunden gearbeitet, so dass leicht pro Woche 60 Stunden zusammenkamen. Doch es war Krieg - und jeder war froh, überhaupt arbeiten zu können. Als Lohn gab es dafür 5 RM pro Woche.

 

Das Ende seiner Lehrzeit fiel mit dem Tod seines Lehrherren zusammen. „Dieser fiel auf dem Feld der Ehre" für Volk und Vaterland. Die Firma gab es damit nicht mehr - und somit auch keine Arbeit für Otto.

 

Otto im Grab

 

Erst als 1942 der Großvater des (auch heute bereits verstorbenen) Altbürgermeisters Leonhard Kohl verstarb, konnte er dessen Arbeit übernehmen. Am 24. 12. 1945 war Otto das erste Mal als Totengräber tätig. Otto erinnert sich noch ganz genau an dieses "Erste Mal":

 

Es war Frau Hesslinger mit 74 Jahren, eine Katholikin, zu deren Beerdigung der Pfarrer aus Wendelstein kommen sollte. Doch der blieb bei seinem Fußmarsch im Schnee stecken. Da niemand wusste, was zu tun sei, verständigte man den Pfarrer in Schwabach. Als der dann eintraf, erschien auch der Wendelsteiner Geistliche. Gemeinsam führten sie dann die Beerdigung durch.

 

Otto Klein blieb bis zum Jahr 2000 Totengräber in Schwand, also 55 Jahre. Obwohl er 1973 eigentlich nur kurz in der Nachbargemeinde Rednitzhembach hätte aushelfen sollen, beerdigte er bis 1983 fast 10 Jahre lang zusätzlich noch die Verstorbenen dieser Nachbargemeinde. Und auch in Leerstetten half er immer wieder aus, wenn gerade Not am Mann war. So war er zusammengerechnet wohl 70 Jahre als Totengräber beschäftigt. Viele im Ort und in der Umgebung kannten ihn mit seinen markanten unverwechselbaren Augenbrauen (die leicht mit denen von Theo Weigl konkurrieren konnten).

 

Eine Dampfdreschmaschine mit Bedienungsmannschaft

Da man in der 1.000 Seelengemeinde Schwand von der Totengräberei allein nicht leben konnte, (ein Grabaushub kostete 20 Mark) arbeitete er in der Saison als Dreschmaschinenführer.

Damals fuhr die Dreschmaschine von Bauernhof zu Bauernhof. Anna Gilch, Lena Distler und Otto auf der DreschmaschineOtto war zusammen mit Georg Miederer dafür zuständig, dass die Maschine reibungslos lief. Stillstandszeiten waren teuer, denn es waren vom Bauern, der das Dreschen durchführte, noch weitere 6 bis 8 Mann bereitzustellen, die die restliche Arbeit verrichteten. Garben zulangen, aufschneiden und eingeben. Das Stroh wieder zurück in die Scheune. Das Getreide in Säcken (100 kg) verladen - oder gleich auf den Trockenboden hinauftragen. Eine schwere körperliche Arbeit und dazu noch der Staub der Maschine.

 

 

 

1951 übergaben Georg und Babette Klein, Onkel und Tante, das elterliche Anwesen in Schwand an Otto. Sogleich vergrößerte er sein Geburtshaus, indem er einen „Stock" draufsetzte. In der damaligen Mangelzeit ein mutiges Unterfangen. Viele trauten ihm das Vorhaben nicht zu und warteten auf sein Scheitern. Doch mit viel Eigenarbeit meisterte er auch diese Herausforderung. Er schuf damit auch Wohnraum für seine Schwester Betti mit ihrer Familie.

 

Von 1953 an arbeitete Otto Klein als Helfer beim Sägerwerk Baumann, bis er 1976 dann nur noch als Totengräber tätig war. Inzwischen war allein der heutige Ortsteil Schwand auf knapp 3.000 Seelen angewachsen, und zusammen mit der Aushilfe in Leerstetten (inzwischen auch knapp 3.000 Einwohner) und Rednitzhembach (5.000 Einwohner) gab es für den „Rentner" genügend Arbeit.

Im neuen katholischen Friedhof

 

So bleibt der Junggeselle Otto Klein - obwohl er nicht mehr so häufig auf seinem Fahrrad im Ort unterwegs ist - als ein Schwander Original in Erinnerung als der Totengräber von Schwand.

Otto ist am 07. 11. 2012 verstorben. Er hatte eine große "Leich" und die von ihm gestiftete große Glocke hat ihn aus dem Diesseits verabschiedet. 

 

 

Die Bilder sind aus Otto Kleins Fotoalbum, die Aufnahmen des „Totengräbers" dürfen wir mit freundlicher Genehmigung des Herrn Michael Matejka (NN) verwenden.

 

Die Interviews wurden im Januar / Februar 2010 geführt von Alfred J. Köhl

 

Der Totengräber von Schwand