Kriegerdenkmale


13.  Markt Schwanstetten

       Kriegerdenkmäler finden wir in den Hauptorten Leerstetten und Schwand. Das erhaltene Aktenmaterial über die Zeit der beiden Weltkriege ist äußerst karg. Auskunft über die Stimmung in Leerstetten und Schwand während des Ersten Weltkrieges geben uns die Kriegschroniken der damaligen Pfarrer. Im Zweiten Weltkrieg führte der Schwander Pfarrer Georg Rusam ein Kriegstagebuch, in dem die örtlichen Vorkommnisse festgehalten wurden.
       Die Ehrung der in den beiden Kriegen Verstorbenen hat bis heute einen festen Platz im Jahreslauf. Mit einer würdigen Feier, die zum Totengedenktag an den jeweiligen Gedenkstätten abgehalten wird, erinnern die beiden Soldaten- und Kameradschaftsvereine an die Gefallenen und Vermissten als stete Mahnung zur Wahrung des Friedens.
 
 
13.1    Leerstetten

„Unsere Verpflichtung: Frieden“

Die Soldaten- und Kampfgenossen von 1870/71 haben sich im Bewusstsein ihrer Verdienste am 2. Februar 1886 in einem Verein zusammengeschlossen und gründeten den „Soldaten- und Kampfgenossenverein Leerstetten“. 1888 wurde die erste Vereinsfahne geweiht. Das erste Vereinsbild aus dem Jahr 1910 zeigt im Kreis von 58 Mitgliedern den damaligen Vorsitzenden Johann Georg Schneider. Der Erste Weltkrieg unterbrach die Vereinstätigkeit. Die Jüngeren wurden zu den Waffen gerufen und viele Namen des Vereinsbildes sind auf der Gedenktafel für die Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkrieges wieder zu finden.
Am 23. November 1930 wurde das zweite Vereinsbild enthüllt. 100 Mitglieder sind zusammen mit dem damaligen 1. Vorsitzenden Georg Geistmann und dem Ehrenvorsitzenden Johann Georg Schneider darauf abgebildet. Das rege Vereinsleben fand durch den Kriegsbeginn eine jähe Unterbrechung und auch nach Kriegsende dauerte es noch Jahre lang, bis sich ehemalige Kriegsteilnehmer im Jahr 1961 zusammenschlossen und den Verein unter dem Namen „Veteranenverein Leerstetten und Umgebung“ wieder ins Leben riefen. Das Ehrenmal in unmittelbarer Nähe der Kirche Peter und Paul wurde mit Unterstützung des Vereins 1965 errichtet. Im Jahr 1972 wurde der Verein umbenannt in „Soldaten- und Kriegerkameradschaft Leerstetten und Umgebung“ und erhielt schließlich 1983 durch eine weitere Umbenennung seinen jetzigen Namen „Soldaten- und Kameradschaftsverein Leerstetten und Umgebung“. Der Verein pflegt engen Kontakt mit dem Österreichischen Kameradschaftsbund St. Margarethen/Burgenland, der 1988 durch eine Patenschaft bekräftigt wurde. Die erste Vereinsfahne wurde 1999 restauriert. Fahne und Vereinsbilder werden im Vereinslokal Wellenhöfer aufbewahrt.
 
 
13.1.1 Krieg 1914/18

       In Leerstetten wurde fälschlicherweise bereits am Abend des 31. Juli die Mobilmachung der deutschen Armee gemeldet. Infolgedessen reiste der junge Ehemann Leonhard Engelhardt bereits am nächsten Tag zu seinem Jägerbataillon nach Aschaffenburg ab, er kam allerdings noch einmal zurück, als er den Irrtum bemerkte. Am 2. August, dem ersten Mobilmachungstag, mussten dann bereits verschiedene Reservisten, ledige und verheiratete Männer ihre Familien verlassen. Die Aufregung im Ort stieg nun von Tag zu Tag. Zunächst mussten die kriegsbrauchbaren Pferde und Wagen für die Armee abgeliefert werden. Als am 4. August eine Menge ausgehobener Pferde von bekannten und unbekannten Reservemännern durchs Dorf nach Nürnberg getrieben wurde, war die Stimmung der Bevölkerung sehr verzweifelt: Man hatte Angst um die Angehörigen im Feld. Auf bezirksamtliche Anordnung hin musste die Telefonleitung nach Schwand Tag und Nacht bewacht werden, und als am 5. August die telefonische Nachricht eintraf, „dass russische Auto durch Deutschland rasen, dass man überall Wache halten und allenfallsigen Eintreffen solcher Auto diese anhalten und die Insassen fest nehmen soll, wurden die Einwohner beinahe kopflos. Mit Gewehren, Revolvern, Prügeln, Gabeln und Haken rüstete sich Alt und Jung aus, Wagen wurden quer über die Straßen gestellt, an allen Dorfeingängen und auf dem (Kirch-)Turm wurden Wachen aufgestellt. ... Angst und Bangen verließ aber die Leute weder bei Tag noch bei Nacht, denn man fürchtete auch die Flieger. Als endlich die ersten Siegesbotschaften von der Beschießung des russischen Kriegshafens Libau und die Eroberung der belgischen Festung Lüttich eintrafen, wurde man zuversichtlicher und vertraute dem Mut unserer Herrn und Heerführer und der Hilfe Gottes.“
       Zu Hause gingen die Erntearbeiten im Herbst 1914 bei günstigem Wetter ohne Zwischenfälle vonstatten. Da die Männer fehlten unterstützten sich die alten Leute und die Frauen gegenseitig bei der Feldarbeit. Für die Angehörigen an der Front veranstaltete man Sammlungen, vor allem Hauptlehrer Roth bemühte sich sehr darum. Am 19. August 1914 konnte er das Ergebnis der ersten Sammlung dem kgl. Bezirksamt Schwabach übergeben: 829 Mark. Im Mai 1917 wurde angeordnet, die Zinnpfeifen aus den Kirchenorgeln sowie die Kirchenglocken und die Blitzableitungen von den Gebäuden zu beschlagnahmen. Bereits im Juli 1917 wurden die Prospektpfeifen aus der Leerstetter Kirchenorgel entnommen. Die Orgel hatte man erst ein Jahr zuvor neu angeschafft. Die drei Kirchenglocken wurden zwar zunächst auch eingezogen, sie bleiben allerdings unberührt, da der Pfarrer deren hohes Alter – eine stammt aus dem Jahr 1398 – nachweisen konnte.
       Auch die Daheimgebliebenen bekamen langsam die Auswirkungen des Krieges am eigenen Leib zu spüren. Infolge der Kohlenknappheit stiegen die Holzpreise im Laufe des Jahres 1917 drastisch an. Auch die Lebensmittel waren inzwischen knapp und darum rationiert worden. Schweine mit mindestens einem Zentner Gewicht wurden beschlagnahmt. Im Herbst 1917 wurde die gesamte Ernte an Getreide, Kartoffeln, Obst und Rüben für das Heer beschlagnahmt. Trotz des günstigen Erntewetters war die Getreideernte diesmal schlecht. Auch mangelte es an Arbeitskräften, häufig mussten 70-jährige Greise die Wirtschaft führen. Kriegsgefangene zur Arbeit gab es in Leerstetten nicht. Gegen Jahresende machte sich eine kriegsmüde Stimmung im Ort breit, ein allgemeines Phänomen, das sich sogar in den damaligen Parteien einschlich.
       Auch 1918 waren die Ernteerträge schlecht: die Kartoffelernte war gering, Getreideertrag und Obsternte ebenso. Obendrein waren durch den trockenen Sommer die Flüsse so ausgetrocknet, dass den Müllern bis in den Winter hinein das Wasser zum Mahlen fehlte.
 
       110 Kriegsteilnehmer hatte die Gemeinde Leerstetten gestellt. Nur wenige Familien waren unberührt geblieben. Die im Krieg Gefallenen bzw. an Kriegsfolgen Verstorbenen sind uns durch die Nennung auf der Gedenktafel bzw. aus den Chroniken der damaligen Pfarrer Baum und Müller bekannt:
 
Ludwig Stiegler aus Leerstetten
+ 09.09.1914, vor Luneville
Karl Baum, Pfarrerssohn aus Leerstetten
vermisst 10.09.1914, an der Marne
Leonhard Engelhardt, Maurer aus Leerstetten
+ 04.11.1914, in Osttaverne, Flandern
Paul Perl aus Leerstetten
+ 15.10.1915, in Tahure, Frankreich
Johann Leonhard Engelhardt, Maurermeister aus Leerstetten
+ 08.02.1916, in Maricourt, Frankreich   
Matthäus Abraham aus Leerstetten
vermisst Mitte Juni 1916, bei Verdun, Frankreich
Johann Bitterwolf aus Leerstetten
+ 28.06.1916, bei Verdun, Frankreich
Paul Sandreuther, Gütler aus Leerstetten
+ 29.06.1916, bei Verdun, Frankreich
Johann Stefan Engelhardt aus Leerstetten
+ 14.04.1917, bei Chevregny, Frankreich
Heinrich Müller, Pfarrerssohn und Medizinstudent aus Leerstetten
+ 22.07.1917 bei Becelare, Flandern
Thomas Zeiher, Maurerssohn aus Leerstetten
+ 20.08.1917 bei Fresnoy, Frankreich
Ludwig Baum, Pfarrerssohn aus Leerstetten
+ 20.09.1917 bei Becelaere, Flandern
Johann Löhlein, Landwirtssohn aus Hagershof 1)
+ 30.09.1917 bei Fresnoy, Frankreich
Fritz Volkert, Taglöhnerssohn aus Leerstetten
vermisst 15.12.1917, Düren/Köln
Martin Kratzer, Dienstknecht aus Leerstetten
+ 23.06.1918 bei Airisilles
Konrad Volkert, Gütlerssohn aus Leerstetten 1)
vermisst 02.09.1918
Hans Meier aus Leerstetten
+ 18.09.1918
Johann Georg Volkert aus Furth
vermisst Mitte Juni 1916 bei Verdun, Frankreich
 
Johann Haußner, Wirt und Ökonom aus Großschwarzenlohe,
+ 20.01.1915
Johann Josef Schmenzel aus Großschwarzenlohe, 1)
vermisst 18.09.1918
Leonhard Schmidt, Gütlerssohn aus Großschwarzenlohe
+ 10.09.1916
Johann Semmelmann, Gütlerssohn aus Großschwarzenlohe
+ 21.08.1918
Johann Georg Körber von der Erichmühle,
+ 24.09.1914 bei Verdun, Frankreich
 
an den Kriegsfolgen verstarben:
Andreas Schneider aus Großschwarzenlohe am 15.11.1918
Konrad Rühl, Landwirt aus Leerstetten am 28.10.1921
 
1) sind auf der Ehrentafel nicht genannt, ergeben sich jedoch aus den Archivalien
 
 

In Leerstetten wurde anstelle eines Kriegerdenkmals eine Ehrentafel in der Kirche aufgestellt, die am 3. Mai 1925 eingeweiht wurde. Diese Ehrentafel kam gegen den Willen des örtlichen Kriegervereins sowie der so genannten Gruppe „Kriegsflagge“ zustande, die sich ein Steindenkmal unter freiem Himmel wünschten. Die Gedenktafel befindet sich bis heute in der Sakristei der Peter- und Paulskirche.
 
 
13.1.2 Krieg 1939/45

       Anfang der 1930er Jahre zeichnete sich auch in Leerstetten der beginnende nationalsozialistische Wandel ab. Leider stehen aus dieser Zeit nahezu keine Archivalien zur Verfügung. Auch in diesem Krieg waren in nahezu jeder Familie Gefallene zu beklagen:
 
1940 Hans Müller, Leerstetten
      Dankfried Eberlein, Leerstetten
1941 Hans Meyer, Leerstetten
      Mattias Müller, Leerstetten
      Michael Winkler, Leerstetten
      Johann Meyer, Furth
1942 Georg Meyer, Leerstetten
      Karl Meyer, Leerstetten
      Walter Schürer, Leerstetten
      Karl Müller, Leerstetten
      Hans Feuerstein, Leerstetten
      Hans Helmreich, Leerstetten
      Georg Distler, Leerstetten
      Michael Lehner, Furth
1943 Wolfgang Eckstein, Leerstetten
      Helmut Raber, Leerstetten
      Erhard Schmidt, Leerstetten
      Johann Sichermann, Furth
1944 Hans Meyer, Leerstetten
      Werner Plesch, Leerstetten
      Georg Mederer, Leerstetten
      Peter Sandreuther, Leerstetten
      Anton Fischer, Leerstetten
      Franz Staub, Leerstetten
1945 Georg Meyer, Leerstetten
      Georg Mach, Leerstetten
      Franz Schmidt, Leerstetten
 
 
 
Habt Ehrfurcht vor dem Tode
Unmittelbar neben der Kirche Peter und Paul wurde 1965 ein Denkmal eingeweiht, das die Gemeinde Leerstetten ihren Gefallenen und Vermissten mit der Mahnung „Habt Ehrfurcht vor dem Tode“ und dem Zusatz „Euere Opfer – Unsere Verpflichtung – Frieden“ widmete. Erstellt hat es der Bildhauer Walter Franke aus Altenfurt. Der Soldaten- und Kameradschaftsverein Leerstetten und Umgebung trug durch eine Spendensammlung wesentlich dazu bei. Die Zeit hat auch auf diesem Denkmal ihre Spuren hinterlassen. Die Gedenktafeln sind teilweise brüchig, die Inschrift auf der Umfassung nahezu unleserlich. Eine Fachwerkstatt wird die Schäden beheben, so dass das Ehrenmal im Frühjahr 2006 wieder seiner Bestimmung gerecht werden kann.
   

 
13.2   Schwand

Nach dem Krieg 1870/71 fanden sich auch in Schwand ehemalige Soldaten zusammen, die im Jahre 1873 den Soldaten- und Kampfgenossenverein Schwand und Umgebung gründeten. Aus dieser Zeit ist das Vereinsbild aus dem Jahr 1873 und die am 29. Juli 1900 geweihte Vereinsfahne erhalten geblieben. In dieser Zeit hatte der Verein unter Vorstand Michael Weiß 30 Mitglieder. Im Jahr 1888 wurde ein weiterer Verein gegründet, der Soldaten-Verein Schwand und Umgebung, der sehr schnell Mitglieder sammeln konnte. Beide Vereine bestanden bis zum Ende des Ersten Weltkrieges nebeneinander. Die Vereinsmitglieder kamen aus den Ortschaften Meckenlohe, Harrlach, Sperberslohe, Mittelhembach und Harm. So kommt es, dass auf dem Denkmal für die Gefallenen auch Soldaten aus den jeweiligen Nachbargemeinden genannt sind. Die Vereinschronik berichtet, dass von 278 eingezogenen Männern 37 nicht mehr in die Heimat zurückkehrten. Am 26.01.1919 vereinigten sich die beiden Vereine. Am 10.07.1921 wurde das Kriegerdenkmal feierlich eingeweiht. Trotz der wirtschaftlichen Notlage konnte der Verein seine Tätigkeit sogar noch erweitern. 1930 wurde ein Schützenstand gebaut, der viele junge Mitglieder anzog und ein gedeihliches Vereinsleben sicherte, das mit Kriegsbeginn ein jähes Ende nahm. Erst 1957 trafen sich 13 Kameraden, die den Verein wieder ins Leben riefen.
Die Kameradschaft zu pflegen, der Menschlichkeit, dem Frieden und der Freiheit zu dienen, den gefallenen Kameraden am Volkstrauertag zu gedenken und die Kriegsgräbersammlung durchzuführen sind die großen und ehrenvollen Aufgaben des Vereins, der sich inzwischen in Soldaten- und Kameradschaftsverein Schwand und Umgebung umbenannt hat.
 
 
 
 
 
13.2.1   Krieg 1914/18


Über die Vorkommnisse in der Pfarrgemeinde Schwand werden wir vom damaligen Pfarrer Kehrer unterrichtet, der seiner Pfarrbeschreibung von 1911/12 eine Kriegschronik der Pfarrei Schwand 1914 – 1919 anfügte.
„Der 1. August 1914 wird allen, die ihn mit Bewusstsein erlebten, unvergesslich bleiben. Zwischen 6 und 7 Uhr abends läutete der Bürgermeister Christof Hörl bei Pfarrer Kehrer und gab die eben telegrafisch erfolgte Mobilmachung des deutschen Heeres und Volkes bekannt. Er trug persönlich die bekannten roten Zettel von Haus zu Haus und verbreitete mit seiner Bekanntmachung überall Aufregung und Bestürzung. Sofort sammelten sich um das Plakat, das die Mobilmachung ankündigte eine große Anzahl von Männern und Burschen, von Weibern und Kindern, die sich mit eigenen Augen von der ihnen unglaublich erscheinenden Tatsache überzeugen wollten. Es herrschte ein allgemeines betroffenes Schweigen, eine unheimliche Stille. Einige Frauen weinten. Die Spannung löste sich aber schnell, als der Ortsgeistliche einige ernste und ermunternde Worte an die Versammelten richtete und das allen bekannte Kriegslied ‚Es braust ein Ruf wie Donnerhall’ anstimmte und ein Hoch auf Kaiser, König und Vaterland ausbrachte. Am Abend waren sämtliche Gasthäuser mit Männern und Burschen angefüllt, welche begeistert Vaterlandslieder sangen.“
In der Zivilbevölkerung war allerdings auch in Schwand zunächst nicht viel von Kriegsbegeisterung zu spüren. Man war eher ängstlich. Die Zahl der zum Kriegsdienst Eingezogenen stieg im Laufe der Zeit auf 190 bis 200, einschließlich der Landsturmmänner und Reservisten. In die Lücken der Gefallenen, Gefangenen, Verwundeten und Vermissten mussten immer neue Männer treten, die zum Teil vorher noch nicht einmal einen Kriegsdienst abgeleistet hatten, also ohne Ausbildung waren. Auch in Schwand spendete man fleißig für die Soldaten im Feld. Die Not der großstädtischen Arbeiterbevölkerung, besonders Nürnbergs, ließ die Gemeinde nicht unberührt. Im Jahr 1917 wurden 36 Kinder aus Nürnberg in Schwander Familien aufgenommen und verpflegt, und auch im Schulsprengel Leerstetten wurden 20 Großstadtkinder untergebracht.
In der Gemeinde ging es ähnlich zu, wie wir es bereits in Leerstetten gesehen haben. Da immer mehr Männer ins Feld oder, als Landsturmleute, in die Etappe ziehen mussten, hatten Frauen, Alte und Kinder die Hauptlast der landwirtschaftlichen Arbeit zu leisten. Diese Tätigkeiten überstiegen oft deren Kräfte. Hinzu kam der wachsende Mangel an Nahrungsmitteln. Im Gegensatz zu Leerstetten wurden viele Schwander Familien von Kriegsgefangenen (Russen, Franzosen und Engländer) unterstützt. Sie wurden sehr gut gehalten und durch die Länge der Zeit wurden manche Gefangene ganz familiär.
Ende November 1918, nach dem Waffenstillstand, wurden die Häuser zum Empfang der heimkehrenden Gemeindeangehörigen geschmückt. Bei der Vereinigungsfeier der beiden bestehenden Militärvereine spendeten viele der Heimgekehrten und ihre Angehörigen für ein neu zu errichtendes Kriegerdenkmal. Es erhielt zunächst einen Standort am Marktplatz und wurde am 10. Juli 1921 eingeweiht. Inzwischen hat des Denkmal seinen Platz oberhalb der evangelischen Kirche erhalten.
 
Die Gefallenen und Vermissten nach den Aufzeichnungen von Pfarrer Kehrer:
 
Leonhard Beiß             verstorben 10.02.1919 an den Kriegsfolgen
Heinrich Gillich            gefallen 08.09.1914
Otto Grimm              gefallen 04./05.11.1914
Fritz Huber               gefallen 05.08.1917
Michael Klein              gefallen 23.09.1916
Michael Löhlein            gefallen 20.07.1916
Johann Miederer, Mittelhembach  vermisst 1916
Michael Ohdörfer          gefallen 29.07.1916
Leonhard Ostertag        vermisst 1916
Leonhard Pfann           gefallen 22.03.1917
Konrad Rühl              gefallen 09.05.1915
Johann Elias Schaller      gefallen 27.09.1916
Leonhard Stiegler         gefallen 27.08.1914
Georg Wehrer             vermisst 1914
Georg Weinberger         gefallen 02.10.1916
Konrad Weiß              gefallen 24.07.1916
 
 
 

 
Das Denkmal an seinem ursprünglichen Standort am Marktplatz in Schwand. Entwurf und Modell stammen von dem Kunstbildhauer Heinz Hench, die Ausführung von Hench und Popp, Roth. Guß: Vz. Hörner.
Auf der Tafel wird außerdem das ehrende Gedenken an die Gefallenen aus den Ortschaften Harrlach, Meckenlohe, Sperberslohe und Pruppach wach gehalten, die zur Kirchengemeinde Schwand gehören.
 
 


13.2.2   Krieg 1939/45

Über die Zeit der Weimarer Republik liegen so gut wie keine Dokumente vor. Die Krisenstimmung dieser Jahre mit zunehmender Inflation und Arbeitslosigkeit wird ein wenig sichtbar im Protokoll des Schwander Arbeitergesangvereins. Im September 1932 musste dessen Chorleiter Steinmetz einem regimetreuen Mann weichen. Ebenso erging es dem Schwander Bürgermeister Peter Nerreter. Er wurde im März 1939 vom SA-Scharführer und NSdAP-Mitglied Hans Ziegler im Bürgermeisteramt abgelöst. Auch der damalige Schwander Pfarrer Heinrich Haeffner kam mit den Nationalsozialisten in Konflikt. Ihm wurde zum Vorwurf gemacht, „eine über den üblichen Rahmen hinausgehende Kirchenpolitik“ zu betreiben. Nach seiner Versetzung wurde die Pfarrstelle 1939 an Georg Rusam verliehen. Ihm verdanken wir wertvolle Informationen über die Ereignisse dieser Zeit, die er in einer Kriegschronik festgehalten hat.
 
      Vermisste und Gefallene aus Schwand

Hans Bär             + 11.04.1943
Alois Baier           vermisst
Kurt Baumann        + 18.04.1943
Georg Beyer          + 17.03.1943
Franz Bimüller        vermisst
Gabriel Böhm         + 10.10.1944
Johann Michael Böhm + 18.03.1942
Stefan Buchner       vermisst
Hans Engelhardt      vermisst
Stefan Gasteiger      vermisst
Michael Gilch         + 28.08.1944
Karl Grimm          + 18.04.1945
Wilhelm Härter       vermisst
Michael Hahn         + 31.01.1943
Johann Jordan       + 04.02.1944
Johann Lösch        + 22.04.1944
Hans Mederer        + 16.10.1942
Rudolf Meusel        vermisst
Friedrich Miederer    + 22.07.1944
Hans Nerreter        + 28.02.1943
Christoph Oßwald     + Juli 1944
Georg Polster        vermisst
Franz Reischig        vermisst
Fritz Schmidt        vermisst
Georg Schmidt       vermisst
Karl Johann Schmidt + März 1945
Anton Schneider      vermisst
Paul Schrödel        vermisst
Michael Schüssel      vermisst
Pankr. Schwab       vermisst
Karl Schwemmer     vermisst
Georg Spohrer        + 08.05.1943
Wolfgang Stich       + 28.08.1943
Leonhard Stöhr      + 13.08.1942
Rudolf Teuner        vermisst
Erich Venohr         vermisst
Georg Volkert        + 26.07.1945
Stephan Volkert      + 28.09.1944
Leonhard Weidinger   vermisst
Hans Weinberger     + 27.07.1946
Johann Wilder        vermisst
Peter Wolkersdorfer  + 26.02.1943
Matthias Zeh        +  10.06.1940
Fritz Zeller          + 23.08.1943
Johann Ziegler       vermisst
Johann Stephan Ziegler                    + 28.09.1944
 
      aus Mittelhembach
Georg Brenner        + 25.09.1941
Hans Nerreter        vermisst
Johann Nerreter     + 14.08.1942
Hans Pflug           + 17.09.1944
      aus Harm
Andreas Eichhorn     + 17.11.1942
Christian Pöllet       vermisst
aus Hagershof
Hans Winkler         vermisst
 
     
 
      Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.
       Ev.Joh. 15.13
      
       Mit dieser Inschrift auf der Rückseite des Ehrenmals gedenkt man bis heute der Opfer der beiden Weltkriege.


Obiger Text ist eine Zusammenstellung von Monika Neumaier, der damaligen Kulturamtsleiterin der Marktgemeinde Schwanstetten für das im Jahr 2011 erschienene Buch: Kriegerdenkmäler im Landkreis Roth". Die Vorlage ist auch der Anhang als *.PDF Datei zum download.

Schwanstetten im November 2017
Alfred J. Köhl


 
AnhangGröße
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Gedenktafel 70/71