Hauptstraße 2

Standort

Hauptstraße 2
Hauptstraße 2
90596 Leerstetten
Deutschland
49° 18' 17.7588" N, 11° 7' 29.9136" E
DE


Das Eingangstor von Nürnberg kommend

Giebelansicht von Norden

Hauptstraße 2.

Bauernhaus, erdgeschossiger Satteldachbau, Fachwerk Südgiebel verputzt,

1. Hälfte 19. Jahrhundert

Situation: Der ehemalige Bauernhof mit seinen neueren Nebengebäuden, einem Stadel und einer Tabaktrockenhalle, steht am nördlichen Ortseingang von Leerstetten. Gemeinsam mit den Häusern, "Hauptstraße 1 und Hauptstraße 5" bildet er ein Ensemble, das die historisch gewachsene dörfliche Struktur in ihrem sozialgeschichtlichen und städtebaulichen Erscheinungsbild noch sichtbar dokumentiert. Dieses Ensemble ist wesentlich für die Ortsansicht von Leerstetten.

Datierung: Die Datierung nach Liste ist sehr vorsichtig. Das Gebäude ist bereits auf dem Urkataster eingetragen; Die ehemaligen Geschossgrundrisseallerdings ohne Nebengebäude. In der Befunduntersuchung wird das 18. Jahrhundert vorgeschlagen, jedoch kein Beleg dafür erbracht. Eine Datierung "um 1800" wird dem Phänotyp und der Fachwerkkonstruktion des rückwärtigen Giebels mit K-Streben wohl gerecht. Es wird zwar auf barocke Traditionen aufgebaut, jedoch werden auch jüngere Tendenzen aufgenommen, die sich auf diese Zeit beziehen lassen, wie die etwas größeren Fenster der Hauptfassade mit glatt geschnittenen, unprofilierten Sohlbänken. Viele Bauteile im Inneren des Hauses, im Dachstuhl etc., sind sichtbar wiederverwendet. Die diagonale Lage des Kellers zur Außenwand deutet auf eine Verlegung des Baukörpers hin.

Geschichtliches: Das Gebäude ist bereits auf dem Urkataster von 1822 eingetragen. Die Straße verlief damals unmittelbar am Anwesen "Hauptstr. 5" vorbei, so dass der Hof deutlich von der Straße abgesetzt war. Nach der Gliederung des Dachstuhls wurde in dem Gebäude zunächst Hopfen, später Tabak getrocknet. Mit dem Bau der Tabaktrockenhalle wurde diese Funktion aufgegeben.

Baugeschichte: Wahrscheinlich um 1800 erbaut; um 1900 erfolgte eine Umgestaltung zusammen mit dem Anbau des preußischen Kappengewölbes. Der Einbau von Dachgaupen erfolgte 1989.

Südgiebel zum InnenhofBeschreibung: Die Erschließung des Hauses mit hohem Satteldach erfolgt über die südliche Giebelseite, über eine links gelagerte Haustür. Es steht traufseitig zur Straße.

Außen: Der erdgeschossige Wohnstall über dem fast quadratischen Grundriss folgt im Phänotyp wie auch in der Innenaufteilung der barocken Tradition. Die verputzte Hauptfassade mit dem hohen Giebel wird durch den Rhythmus der Fensteröffnungen gegliedert. Sie ist auf zweiflügelige Schlagläden und Kreuzstockfenster ausgelegt. Die Haustür ist wegen der Innenraumgliederung etwas nach links versetzt. Rechts erkennt man die traditionelle zweifenstrige Stube und links die Kammer. Traufseitig zeigen die Fensteröffnungen den Übergang vom Wohn- zum Stallbereich. Der rückwärtige Giebel, ein Fachwerksystem mit K-Streben, baut auf einem unverputzten Sandsteinerdgeschoß auf, das die kleinen Stallfenster zeigt.

 

Fassadenschmuck: Die verputzte Hauptfassade wird nur durch die Fensterkonstruktionen und die segmentbogige Haustür gegliedert. Die rückwärtige Giebelseite zeigt grünen, roten und gelblichen Sandstein, darauf baut das unverputzte Fachwerk auf.

Innen: Auch das Innere des Wohnstalls baut auf die barocke Tradition auf. Es wird über einen linksgelagerten Flur erschlossen, der in den rückwärtigen Stall mündet. Auf der rechten Haushälfte liegt fassadenseitig die Stube mit einer Bohlen-Balkendecke als Dekor. Auf sie folgt die Küche, von der aus der ehemalige Kachelofen der Stube beheizt wurde. Sie selbst war sicher gewölbt und mit offenem Kamin versehen. Rückwärtig befindet sich ein Raum, der in seiner letzten Nutzung eine Futterküche war. Von ihm aus wurde der ehemals vorgelagerte Keller erschlossen. Die ganze rückwärtige Situation wird von dem kappengewölbten Stall bestimmt. Auf der linken Hausseite findet man der Tradition entsprechend zunächst eine Kammer, auf die ein Raum folgt, der eine Waschküche war, davor aber sicherlich anders genutzt wurde. Im DG, das über eine schlichte, gerade, einläufige Treppe erschlossen wurde, befand sich fassadenseitig eine Kammer, rückwärtig wurde wohl Heu der Getreide gelagert. Im 2. DG. wurde Hopfen und später Tabak getrocknet, wie es die Nagelreihen und die liegende Anlage zeigen.

Ausstattungsdetails: z.T. wiederverwendete Beschläge der 1. Hälfte des 19. Jh. Darunter ist ein barocker Beschlag. EingangstüreSternhaustür mit dreiteiligem Oberlicht unter segmentbogigem Sturz. 

Stellenweise finden sich historische Putz- und Fassungsschichten unter moderner Oberfläche. Ca. 7, 5 m tiefer Brunnen östlich der Hauptfassade mit einem Oberflächendurchmesser von rund 1,00 m und einem Sohlendurchmesser von ca. 2,00 m, in den Sandsteinuntergrund gehauen.

Konstruktion: Der Keller wurde wegen der Straßenverlegung abgebrochen. Das aufgehende Außenmauerwerk aus gelbem, grünem und rötlichem Sandstein unterschiedlicher Herkunft; verputzt bis auf rückwärtigen, nördlichen Giebel. Letzterer ist ein Sichtfachwerk mit K-Strebenverband, der fachmännisch ausgebessert wurde, wobei der Verband erhalten blieb. Die Innenwände zum Flur waren ursprünglich verputztes Fachwerk; zwischen Stube und Küche Bruchstein. Die Wände zum Stall sind in "Backstein" errichtet. Dieses Material stammt wohl aus einem Umbau (gegen 1900).

Die Böden sind erneuert. Ursprünglich waren wohl Steinfliesen im Flur und in der Küche, sonst Dielen bzw. Riemenböden. Im Stall ein einfacher Lehm, Ziegel oder Steinbelag. In der Stube Bohlen-Balkendecke, sonst in den Kammern wohl mit Fehlböden; in der Küche ehemals mit Tonnengewölbe und im Stall bis heute mit preußischem Kappengewölbe.

Der Dachstuhl ist ein dreigeschossiger Dachstuhl, der im 1. DG als doppelt stehender und im 2. DG als liegender Kehlbalkenstuhl ausgebildet ist. Im 3. DG eine "Hahnenbalkenlage", begehbar. Die Hölzer sind gebeilt und verzapft. Sie sind z. T. aus einem Vorgängerbau wiederverwendet, wie die offenen Zapfschlitze andeuten. Die Dachdeckung ist mit mit Rundschnittbibern - doppelt - erfolgt.

Die Türen und Fenster sind neuere Kreuzbalkenfenster mit zweiflügeligen Schlagläden nach Anlage der Fassade. Die Türen sind jünger. Ein zweiflügeliges Sprossenfenster in der ehemaligen Waschküche ist mit Winkelbandeisen, entstanden wohl gegen 1900.

Nutzung: Haus wird insgesamt als Wohnhaus genutzt.

Allgemeines Urteil: Gut erhaltenes und restauriertes Baudenkmal

Mehr über die Renovierung / Restaurierung erfahren Sie unter: http://www.fraenkisches-bauernhaus.de/web/Leerstetten/Renovierende3.htm

Quelle: Denkmalkartierung von 1995 der Marktgemeinde Schwansteten, Autor M.A. Hermann Schubach

Weitergehende Literatur: Denkmäler in Bayern, Bd 5 - Mittelfranken, hrsg. Michael Petzet, München 1986, S. 475

Zusammengestellt von Alfred J. Köhl

Oktober 2007
Ansicht von Süden

Das Eingangstor von Nürnberg kommend